Mobilfunkstrategie und 5G-Netzausbau

Europa macht mobil: der 5G-Aktionsplan der EU

In weiten Teilen Europas ist 5G-Mobilfunk aktiv. Bis 2030 sollen alle besiedelten Gebiete der Europäischen Union versorgt sein. Dies sind die EU-Ziele für den 5G-Ausbau im Einzelnen.

Die 5G-Netzabdeckung verbessert sich stetig – nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa setzt auf den modernen Mobilfunk. Die Pandemie hat das Bewusstsein noch einmal geschärft, wie wichtig digitale Lösungen für Arbeit, Medizin und Gesellschaft sind.

Auf EU-Ebene begleitet seit 2018 das 5G-Observatorium die Entwicklungen rund um den neuen Mobilfunkstandard.  Das Observatorium überwacht für die Europäische Kommission, ob die EU ihre 5G-Entwicklungsziele einhält. Die drei Unternehmen VVA, Policy Tracker und LS Telcom betreiben es.

Nahezu alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union funken in fünfter Generation. Im Oktober 2021 waren in 25 der 27 EU-Mitgliedsstaaten 5G-Dienste aktiv und für Nutzende erreichbar, wie das 5G-Observatorium zählte. Viele Staaten drückten aufs Tempo: Im Jahr 2020 hatten nur drei Mitgliedsstaaten 5G-Frequenzen bereitgestellt, unter ihnen auch Deutschland als ein Vorreiter. Durch die Corona-Pandemie wurden die Frequenzvergaben in vielen EU-Staaten ausgesetzt. Die meisten der verzögerten Auktionen fanden in den letzten Monaten des Jahres 2020 und zu Beginn des Jahres 2021 statt.

Umsatz und Jobs: Mobilfunk fördert unseren Wohlstand

5G wird zum immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor. Der Umsatz mit 5G-Netzwerktechnik steigt weltweit. Im Jahr 2020 betrug der Umsatz laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner 13,7 Milliarden US-Dollar. Für das Jahr 2022 ist ein Umsatz in Höhe von 23,25 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Ein großer Teil der Wertschöpfung soll in Europa und in Deutschland stattfinden.

Mobilfunk ist daher auch eine Frage des Wohlstands: Eine Auftragsstudie des Chipherstellers Qualcomm ging 2021 davon aus, dass das europäische Bruttoinlandsprodukt durch 5G bis zum Jahr 2025 um bis zu 1 Billion Euro wachsen könnte. Bis zu 20 Millionen Arbeitsplätze könnten durch 5G entstehen oder sich entscheidend wandeln.

Unter anderem Logistikzentren werden 5G-Fachleute benötigen. Sie können dafür sorgen, dass Warenströme in Echtzeit überwacht und gesteuert werden. Auch in Fabriken kommt immer häufiger Mobilfunk zum Einsatz. Fertigungsstraßen arbeiten automatisiert, gesteuert und kontrolliert über 5G. Auch für diesen Bereich sind künftig 5G-Spezialistinnen und -Spezialisten gefragt.

Der Ausbau: 5G-Aktionsplan und Connectivity Toolbox

Die Expertinnen und Experten beobachten: In den deutschen und europäischen 5G-Netzen gab es bisher keine Überlastungsprobleme. Damit das Netz auch in Zukunft stabil ist, stellt die Europäische Union ein Förderprogramm aus verschiedenen Initiativen bereit. Der 5G-Aktionsplan bündelt seit 2016 alle Maßnahmen. Ziel war die Einführung kommerzieller 5G-Dienste bis Ende des Jahres 2020 in mindestens einer Großstadt der Mitgliedsstaaten. Dieses Ziel ist erfüllt. Die nächste Etappe: Bis 2025 soll der neue Standard flächendeckend in Städten und entlang wichtiger Verkehrswege verfügbar sein.

Als weitere Maßnahme in der 5G-Förderung gibt es die Connectivity Toolbox. Sie enthält Empfehlungen, die Netzbetreibern und Mitgliedsstaaten beim schnellen Ausbau von 5G und Breitbandanschlüssen helfen soll. Die Toolbox zeigt Best-Practice-Beispiele auf. Einerseits helfen die Maßnahmen den Netzbetreibern, die Kosten für den Aufbau von Netzen zu senken. Andererseits können die Mitgliedsstaaten diese Maßnahmen nutzen, um den Betreibern Zugang zu den Frequenzen zu ermöglichen, die sie für die Einführung von 5G benötigen. Damit sollen Betreiber ermutigt werden, weiter in die 5G-Abdeckung zu investieren.

Deutschland steht beim 5G-Ausbau gut da 

Viele Mobilfunkanbieter europäischer Länder veröffentlichen Zahlen zur 5G-Netzabdeckung. Ein irischer Anbieter gibt laut dem 13. Bericht des 5G-Observatoriums eine 5G-Netzabdeckung von 70 Prozent der Bevölkerung zum Oktober 2021 an. Zum Vergleich: Ein deutscher Anbieter spricht von einer 85-prozentigen 5G-Netzabdeckung. Die deutsche Bundesnetzagentur wiederum berichtet, dass Ende Oktober 53 Prozent der Landesfläche Deutschlands von mindestens einem Mobilfunkanbieter mit 5G versorgt seien. Bis zum Jahr 2030 sollen alle EU-Haushalte mit Gigabit versorgt und alle besiedelten Gebiete mit 5G abgedeckt sein. Dieses Ziel formuliert die Europäische Kommission in der Mitteilung „Digitaler Kompass 2030: Der europäische Weg in die digitale Dekade“.

Der Europäische Rechnungshof bemängelte im Januar 2022 aber auch „Verzögerungen beim Auf- und Ausbau der Netze“. Nur die Hälfte der Mitgliedsstaaten habe die EU-Ziele in ihre nationalen 5G-Strategien aufgenommen. Der Rechnungshof wies zudem darauf hin, dass die Kommission nie das Qualitätsniveau der 5G-Dienste klar definiert habe. Dies könnte innerhalb Europas zu Ungleichheiten beim Zugang und bei der Qualität von 5G führen.

Wissenschaft und Unternehmen erproben Anwendungen

In mehreren EU-Staaten erproben Firmen und Forschende die Möglichkeiten der 5G-Technologie. So werden etwa im Hafen von Barcelona Kräne, Fahrzeuge und Smartphones mithilfe von 5G-Netzen verbunden, um Kollisionen zwischen Menschen und Maschinen zu verhindern. In der estnischen Hauptstadt Tallinn versorgt ein 5G-Netzwerk ein Kreuzfahrtschiff, sodass an Bord ein WLAN funktioniert. Außerdem wurde in Tallinn ein kleiner Bagger mit sehr geringen Latenzen gesteuert. Auch in Deutschland verwenden Unternehmen 5G in ihren Fabrikhallen oder Institutionen in ihrer Forschung. Außerdem fördern die Bundesregierung und die Bundesländer diverse Projekte, die 5G-Alltagsanwendungen testen. Einige davon stellen wir bereits konkret in unserem Webmagazin vor.

Mithilfe eines Prognosemodells will das 5G-Observatorium den Fortschritt von 5G-Ausbau und -Forschung in der EU überwachen. Ein Studienteam definiert Szenarien und den Stand der Technik.

Wie die EU die Forschung zu 5G fördert

Die EU fördert 5G-Forschungsprojekte im Rahmen einer 5G-Public-Private-Partnership (einer öffentlich-privaten Partnerschaft, kurz 5G-PPP) mit insgesamt mehr als 400 Millionen Euro. Im Bereich Mobilität und Transport gibt es unter anderem das Projekt „5G-Blueprint“: Es erforscht die Möglichkeiten eines unterbrechungsfreien, grenzüberschreitenden teleoperativen Verkehrs zwischen den Häfen von Antwerpen (Belgien) und Vlissingen (Niederlande) – auf Basis von 5G im Straßen- und Seetransport. Ziel ist es, die europaweite Einführung teleoperativer Transportlösung im Logistiksektor zu unterstützen.

Im Jahr 2022 startete das Förderprojekt CEF 2 Digital. Insgesamt 258 Millionen Euro stellt die Europäische Kommission zur Verfügung, um zum Beispiel 5G-Netze entlang von Straßen- und Schienenverkehrsachsen und lokale 5G-Innovationsprojekte zu unterstützen. Weitere grenzüberschreitende 5G-Projekte sind auf dem Weg: So fördern Frankreich und Deutschland gemeinsam vier Projekte zu 5G-Anwendungen mit insgesamt 17,7 Millionen Euro.

Datensicherheit steht bei 5G an erster Stelle

Die Datensicherheit, also der technische Schutz von Daten, ist beim Aufbau und bei der Nutzung des 5G-Netzes von großer Bedeutung. Die Sicherheitskriterien beim Mobilfunk der fünften Generation wurden deutlich strenger formuliert, als es noch bei 3G und 4G der Fall war. In Deutschland hat die Bundesnetzagentur in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) Anforderungen an die 5G-Datensicherheit definiert.

So sollen etwa die Mobilfunkanbieter sogenannte Monokulturen vermeiden. Das heißt, es braucht Komponenten von mindestens zwei Herstellern, um das Risiko von Ausfällen zu minimieren. Auch auf europäischer Ebene wird Cybersicherheit großgeschrieben. Auf Empfehlung der EU-Kommission vom 26. März 2019 führten die Mitgliedsstaaten eine Risikobewertung der 5G-Netzsicherheit durch. Anschließend einigten sie sich darauf, die Anforderungen an die Cybersicherheit zu erhöhen.

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