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Fußball-EM, Festivals und Co.

Mobile Funkmasten stärken Handynetze bei Großveranstaltungen

09.06.2024
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Wenn viele Tausend Menschen zusammenkommen, nimmt der Datenverkehr vor Ort enorm zu. Damit sie gleichzeitig surfen und telefonieren können, rüsten die Netzbetreiber auf.

2,7 Millionen Fans in den Stadien und bis zu zwölf Millionen in den Fanzonen erwartet Deutschland zur Fußballeuropameisterschaft 2024. Ob Traumtor, Elfmeter oder Foul – die Fans wollen in den insgesamt vier Wochen Fußballfieber nicht nur ihre Mannschaft anfeuern, sondern auch die besten Szenen teilen, im Familien-Chat kommentieren oder telefonieren. Damit alle Menschen zeitgleich ihre Endgeräte nutzen können, haben die Netzbetreiber verschiedene Lösungen.

Denn Fußballgroßereignisse sorgen immer wieder für Datenrekorde. Sieben der zehn höchsten Traffic-Werte bei O2 Telefónica gingen 2023 auf Champions-League-Spiele mit deutscher Beteiligung zurück. Und der Trend setzt sich 2024 fort. Während des Champions-League-Finales zwischen Borussia Dortmund und Real Madrid flossen eine Million Gigabyte pro Stunde durch das bundesweite O2 Mobilfunknetz – ein neuer Datenrekord für den Netzbetreiber. Zum Vergleich: So viele Daten würden laut O2 Telefónica etwa anfallen, wenn mehr als zehn Millionen Menschen gleichzeitig das neue Album von Taylor Swift streamen würden. „Die Spiele der Fußball-EM könnten diesen Rekord noch einmal brechen“, sagt Pressesprecher Florian Streicher. Er rechnet damit, dass allein über das O2 Mobilfunknetz täglich mehrere Tausend Gigabyte Daten pro Fanmeile übertragen werden.

Netzbetreiber errichtet mobile Sendemasten zur EM

Deshalb rüstet der Mobilfunknetzbetreiber auf und stellt in den Fanzonen bundesweit mobile Sendemasten auf, sogenannte Mobile Radio Trailer. Mit solchen Mobilfunkmasten unterstützen Netzbetreiber ihre festen Standorte – etwa auf einem Parkplatz im Essener Norden. Mit dem mobilen Funkmast sichert O2 Telefónica vorübergehend die Mobilfunkversorgung in der Umgebung. Netztechniker Mathias Staier erklärt die Vorteile: „Die Funkmasten sind schnell transportiert und aufgebaut und bringen die Mobilfunkversorgung dorthin, wo sie dringend gebraucht wird.“ Die einzigen Voraussetzungen: eine geeignete Stellfläche und ein Stromanschluss für die Netztechnik.

Mobile Radio Trailer verstärken temporär Mobilfunknetze

O2 Telefónica Pressesprecher Florian Streicher und Netztechniker Mathias Staier blicken auf den 30 Meter hohen Mobile Radio Trailer in Essen.
Er versorgt die Menschen übergangsweise mit Mobilfunk bis ein dauerhafter Standort errichtet wurde.
In der Kabine befindet sich jede Menge Systemtechnik für 2G/GSM, 4G/LTE und 5G.
Mobile Radio Trailer liefern zusätzliche 5G-Kapazitäten, …
… um die hohe Datennachfrage bei der EM optimal zu bedienen.

O2 Telefónica betreibt derzeit rund 80 mobile Funkmasten in ganz Deutschland. Mehr als zehn davon stehen während der EM in den Fanzonen, unter anderem auf dem Platz der Republik in Berlin oder im Olympiapark in München. Telekom nutzt insgesamt 38 temporäre Versorgungen und setzt dabei auf noch kleinere Funkmasten, die ihr direktes Umfeld mit Mobilfunk versorgen.

Schnell und flexibel: Mobile Radio Trailer bieten viele Vorteile

Der rund zehn Tonnen schwere Mobile Radio Trailer wird auf einem Fahrgestell – auch Lafette genannt – zum jeweiligen Einsatzort transportiert und dort Schritt für Schritt aufgebaut. Er besteht aus einer Kabine mit Systemtechnik und Stromversorgung sowie einem auf bis zu 30 Meter ausfahrbaren Teleskopmast, auf dem die Antennenmontiert sind. Vor Ort kümmern sich in der Regel zwei bis vier Netztechnikerinnen und -techniker um den Aufbau und die Anbindung an das Kernnetz. Die Antennen senden im gesamten Frequenzspektrum von 800 MHz bis 3,6 GHz und können mehrere Tausend Kundinnen und Kunden mit Mobilfunk versorgen.

Ein weiterer Vorteil: Da die Funkmasten temporär aufgestellt werden, benötigen sie keine Baugenehmigung, sondern lediglich eine Standortbescheinigung von der Bundesnetzagentur (BNetzA). Dafür ermittelt die BNetzA den Sicherheitsabstand, der erforderlich ist, um die Grenzwerte zum Schutz von Personen an Orten, an denen sich diese aufhalten können, jederzeit einzuhalten. Die Standortbescheinigung für die mobilen Masten gilt bundesweit; die Netzbetreiber stellen sicher, dass die Auflagen vor Ort erfüllt werden.

Netzbetreiber statten Stadien und Fanmeilen mit 5G aus

Die Telekommunikationsunternehmen nutzen nicht nur vorrübergehende Lösungen, sondern verbauen auch eigens viele feste Antennen in den Stadien. Damit alle Zuschauerinnen und Zuschauer von gutem Empfang profitieren, arbeiten Telekom, Vodafone, O2 Telefónica und 1&1 eng zusammen. Ein Netzbetreiber übernimmt jeweils die Federführung. In Gelsenkirchen, Köln und Leipzig übernahm zum Beispiel Vodafone die Leitung des Ausbaus.

1&1 stattete den Signal Iduna Park, das größte Fußballstadion Deutschlands, mit 5G aus. Dabei setzt der Netzbetreiber auf aktive Mehrantennensysteme (Massive Multiple Input Multiple Output, kurz MiMo). Sie machen die gleichzeitige Übertragung mehrerer Datenströme über denselben Funkkanal möglich und erhöhen damit die Kapazität des Funknetzes. Die Telekom hat nach eigenen Angaben rund 750 neue 5G-Antennen in den Stadien verbaut.

Mobile Sendemasten helfen auch nach Naturkatastrophen

Neben der EM stehen in diesem Jahr auch andere Veranstaltungen im Fokus der Sonderversorgung – zum Beispiel Festivals: „Sie finden oft in ländlichen Gebieten statt, wo die normale Mobilfunkversorgung gar nicht für Veranstaltungen mit Zehn- bis Hunderttausend Menschen ausgelegt sein kann. Mit einem Mobile Radio Trailer können wir dort einfach und flexibel zusätzliche Netzkapazität schaffen“, sagt Streicher. O2 Telefónica versorgt 2024 rund 60 Events mit seiner fahrenden Funkmastflotte – darunter Rock am Ring, Fusion Festival oder Wacken Open Air. Die Telekom plant nach eigenen Angaben, auf rund 200 Events eine Sonderversorgung einzurichten.

Auch nach Naturkatastrophen kommen mobile Sendemasten häufig zum Einsatz. Zum Beispiel, wenn ein Hochwasser Funkmasten zerstört hat. Denn funktionierende Mobilfunknetze sind in Katastrophengebieten besonders wichtig. Da es dort oft keinen Stromanschluss gibt, werden Notstromaggregate eingesetzt.

Und was passiert, wenn ein Sendemast nicht mehr gebraucht wird? Gerade im Sommer und während der Eventsaison sind sie im Dauereinsatz, erzählt Mathias Staier. „Im Idealfall bauen wir die Mobile Radio Trailer ab und fahren sie zur nächsten Veranstaltung.“ Auch außerhalb der Saison stehen die mobilen Masten so gut wie nie still – dann stehen Wartungen, jährliche TÜV-Termine oder Netztechnologieerweiterungen an.

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