Ist 5G gefährlich für uns?

Kann 5G unfruchtbar machen?

Fruchtbarkeit ist ein sensibles Thema. Forscherinnen und Forscher testen deshalb seit Jahren: Hat Mobilfunk Einfluss auf Spermien, Eizellen oder Embryonen? Ein Beweis dafür fehlt – führende Gesundheitsorganisationen geben Entwarnung. Denn zum Schutz der Gesundheit gelten strenge Grenzwerte.

„Junge, steck dein Handy nicht in die Hosentasche. Du willst doch mal Kinder kriegen.“ Diesen Satz hat manche besorgte Mutter vielleicht schon ausgesprochen. Doch ist ihre Sorge in diesem Fall begründet? Forscherinnen und Forscher beschäftigen sich seit Jahren mit dieser Frage:

Macht Handystrahlung unfruchtbar oder schädigt sie mein ungeborenes Baby?

Die Studienlage zu dieser Frage ist komplex. Um genauer zu verstehen, wie der Stand ist, müssen einige Grundlagen klar sein. Mobilfunkstrahlung ist eine von vielen möglichen Strahlungen – und Strahlung umgibt uns auch ganz natürlich in der Umwelt. Wenn wir über Handystrahlung oder elektromagnetische Felder (EMF) sprechen, geht es immer um sogenannte nichtionisierende Strahlung. Mehr Informationen zu den unterschiedlichen Strahlungsarten finden Sie hier.

Die bisher einzige wissenschaftlich belegte Wirkung von Mobilfunkstrahlung ist, dass der menschliche Körper sie absorbiert und in Wärme umwandelt. Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sind unwahrscheinlich und unterhalb der geltenden Grenzwerte nicht zu erwarten. Mit einer Schädigung rechnet man erst dann, wenn sich die Körpertemperatur über einen längeren Zeitraum um deutlich mehr als 1 Grad Celsius erhöht. Deshalb gibt es in Deutschland strenge Grenzwerte, die diese Möglichkeit ausschließen.

Spermien sterben nur, wenn Grenzwerte überschritten werden

Einige Forschungsvorhaben untersuchten die Wirkung der Mobilfunkstrahlung von Handys auf die menschliche Fruchtbarkeit sowie auf Embryonen im Mutterleib und deren spätere Entwicklung. Speziell der Einfluss von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (EMF) auf die Fruchtbarkeit von Männern wurde in nationalen und internationalen Studien untersucht. Einige der Studien stellten eine Veränderung in Bezug auf die Fruchtbarkeit fest. Sie wiesen jedoch gleichzeitig darauf hin, dass weitere Forschung notwendig ist. Worin genau besteht die Unsicherheit? Einige Studien stellten bei Handyvielnutzern eine verminderte Fruchtbarkeit fest. Ob das aber am Handy lag, blieb fraglich. Eine allgemein ungesunde Lebensweise der Probanden könnte der Grund sein.

Laborstudien zeigen zudem, dass negative Effekte auf die männliche Fruchtbarkeit unter besonderen Bedingungen auftraten – und zwar dann, wenn die elektromagnetischen Felder über den festgelegten Grenzwerten lagen. Dies führte zu einem deutlichen Temperaturanstieg im Gewebe. Spermien wiederum sind sehr temperaturempfindlich. Eine derartige Belastung kommt jedoch bei der alltäglichen Nutzung von Handys nicht vor. Selbst wenn ein Mobiltelefon aus der Hosentasche sendet, bleibt die Belastung der Hoden weit unter den Grenzwerten.

Studien können keinen Einfluss auf Fruchtbarkeit feststellen

Zu beachten ist auch: Viele der bisher durchgeführten Studien entsprachen nicht den gängigen wissenschaftlichen Qualitätskriterien. Was die Probleme im Einzelnen waren, lesen Sie weiter unten. Untersuchungen, die gemäß der gesicherten wissenschaftlichen Praxis vorgehen, konnten keinen Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und geringerer Fruchtbarkeit feststellen. Organisationen wie die WHO, die britische Health Protection Agency oder die deutsche Strahlenschutzkommission kommen daher einheitlich zu dem Schluss: Es gibt bisher keinen Nachweis, dass Handystrahlung Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit hat.

Keinen Anlass zur Besorgnis gibt es auch für werdende Mütter: Ein schädigender Einfluss von Handystrahlung auf das ungeborene Kind und seine spätere Entwicklung ist nicht belegt. Einige Forschungsprogramme raten Schwangeren vorsorglich zu einem umsichtigen Umgang mit dem Mobiltelefon. Die WHO stellt in ihren Empfehlungen zu EMF jedoch keinen negativen Einfluss auf die embryonale Entwicklung fest und sie empfiehlt daher auch keine Vorsorgemaßnahme.

Einige Untersuchungen sind wissenschaftlich unsauber

Die meisten Laborstudien zum Einfluss auf die Fruchtbarkeit und ungeborene Kinder weisen nach Auswertung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) methodische Mängel auf.

  • Die Fachleute kritisieren beispielsweise unzureichende Dosimetrie: Einige Studien verwendeten zum Erzeugen der elektromagnetischen Felder. Expositionsanlagen, die keinen wissenschaftlichen Anforderungen entsprechen. Mit Expositionsanlagen werden in der Wissenschaft Mobilfunkstrahlen simuliert.
  • Einige Forschungsprojekte gaben die Spezifische Absorptionsrate (SAR) nicht an – somit können die beobachteten Vorgänge unmöglich bewertet werden. Der SAR-Wert beschreibt, wie viel Energie das Gewebe aufnimmt in Watt pro Kilogramm.
  • Zudem verwendeten mehrere Studien einen SAR-Wert oberhalb der empfohlenen Grenzwerte. Zur Erläuterung: Die Grenzwerte sind so abgeleitet, dass sich die Körpertemperatur im Mittel um nicht mehr als etwa 1 Grad Celsius erhöhen kann. Erst wenn es noch wärmer wird, wird es bedenklich. Solche Temperaturerhöhungen verhindert der SAR-Grenzwert für Mobiltelefone.
  • Bei einigen Studien wurden die Kontrollen, die als Vergleich zu den exponierten Proben dienen, fehlerhaft durchgeführt.

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